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Motiviert-in-Nuernberg

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Woher nehme ich die Kraft und Zuversicht für schwierige Aufgaben? Was motiviert mich und wie schaffe ich es, andere zu motivieren? Vor allem im Bereich der Sozialarbeit mit benachteiligten Jugendlichen.

Wir haben den Praxistest gemacht – im Don Bosco Jugendwerk Nürnberg.


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Aus Überzeugung: Tanja Holzmeyer geht jeden Tag gerne zur Arbeit.
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Kein Grund, aufzugeben

Obdachlos, alkohol- oder drogenabhängig, ohne familiären Rückhalt und scheinbar ohne Zukunftsperspektiven – im Don Bosco Jugendwerk Nürnberg werden Straßenjugendliche nicht sich selbst überlassen. Mit viel Geduld und Empathie hören Sozialarbeiter wie die 34-jährige Tanja Holzmeyer den Jugendlichen zu und motivieren sie, ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Eine herausfordernde Aufgabe, die auch von den pädagogischen Fachkräften viel Eigenmotivation abverlangt.
Aus Überzeugung: Tanja Holzmeyer geht jeden Tag gerne zur Arbeit.
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Es könnte eine friedliche Szene sein. Zwei Menschen sitzen auf einer Mauer, sind einander zugewandt und ins Gespräch vertieft. Sonnenstrahlen fallen auf ihre Gesichter und tauchen sie in ein warmes Licht. Doch der erste Eindruck täuscht. Die Atmosphäre ist zwar friedlich und entspannt, aber die Unterhaltung alles andere als eine nette Plauderei. Tanja Holzmeyer, Sozialarbeiterin im Don Bosco Jugendwerk Nürnberg, hat sich mit einem der Jugendlichen nach draußen zurückgezogen. Im offenen Treff ist ein stetiges Kommen und Gehen. Sie aber sucht ein wenig Ruhe, um sich ganz auf den Jugendlichen konzentrieren zu können und mehr über seine Geschichte zu erfahren.
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Stümmel, wie er von seinen Freunden genannt wird, ist 22 Jahre alt. Bevor er obdachlos wurde, hatte er eigentlich „eine ganz schöne Kindheit“, sagt er. Doch dann kam alles anders.


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Täglicher Zufluchtsort

Im offenen Treff sollen die Jugendlichen wieder an eine Tagesstruktur herangeführt werden – zum Beispiel durch drei feste Mahlzeiten.
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Stümmel lebt seit sechs Jahren auf der Straße und ist heroinsüchtig. Beide Arme sind von Nadelstichen übersät, genauso wie seine Beine. „Ich bin das gelebte Klischee, oder?“, meint er selbstironisch. „Ein Punker mit blauen Haaren und Piercings, der drogenabhängig ist.“

Bei Don Bosco sei er wegen seiner Freundin gelandet. Sie habe ihm von dem offenen Angebot erzählt. Jeden Tag – in der Woche von acht bis 22 Uhr sowie am Wochenende von acht bis 16 Uhr – finden obdachlose Jugendliche hier einen Zufluchtsort und Ansprechpartner. Stümmel weiß das zu schätzen: „Ich find’s gut, dass die einfach sagen, wenn’s dir dreckig geht, komm halt öfter mal bei uns vorbei. Man muss dafür nichts zahlen und bekommt Hilfe bei Ämtergängen, der Wohnungssuche und bei Bewerbungen.“

Doch so weit ist Stümmel noch nicht. „Momentan habe ich eigentlich gar keine Motivation, mein Leben in den Griff zu bekommen. Ich muss täglich schauen, wie ich mir meinen Stoff finanzieren kann. Meine einzige Motivation, wenn man so will, ist also, Geld zu sammeln, um keine Entzugserscheinungen zu haben.“
Im offenen Treff sollen die Jugendlichen wieder an eine Tagesstruktur herangeführt werden – zum Beispiel durch drei feste Mahlzeiten.
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Doch Tanja Holzmeyer ist überzeugt, dass Stümmel unbewusst schon andere Ziele verfolgt und mehr vom Leben erwartet. „Jeder der Jugendlichen, die zu uns kommen, hat eine Motivation, wieso er hier ist, und die gilt es, zu finden. Durch Reden, Reden und nochmals Reden. Und durch Ausprobieren“, erklärt sie. „Wir sind ja nicht nur ein Schutzraum, wo man mal duschen, seine Wäsche waschen und etwas Warmes essen kann. Das ist bei uns möglich, aber wir sagen den Jugendlichen von Anfang an, dass wir auch mit ihnen arbeiten wollen.“
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Tanja Holzmeyer, die Leiterin des offenen Bereiches, kümmert sich mit viel Engagement um die Jugendlichen – und mit einer unumstößlichen Zuversicht. Bei ihrer Zielgruppe seien Rückschläge vorprogrammiert, aber das sei für sie kein Grund, aufzugeben: „Das demotiviert mich nicht. Ich glaube, dass tragfähige Beziehungen für solche Jugendlichen das A und O sind. Fallen gelassen wurden die von vielen Menschen, wenn nicht sogar von Teilen der ganzen Gesellschaft. Die Aufgabe der sozialen Arbeit ist, genau so jemanden auszuhalten, sich da persönlich nicht pikieren zu lassen und nicht ungeduldig zu werden.“
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Im Video: Tanja Holzmeyer, 34 Jahre

Für ihren Job als Sozialarbeiterin braucht es die Motivation, sich in die Lebenswelt der obdachlosen Jugendlichen hineinzudenken sowie offen und empathisch zu sein, erklärt Tanja Holzmeyer.

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Im Video: Stefan Müller, Einrichtungsleiter des Don Bosco Jugendwerks Nürnberg

Für Stefan Müller ist es wichtig, immer optimistisch zu bleiben: „Wir glauben wie Don Bosco an den guten Kern in jedem Menschen. Wir finden für jeden Jugendlichen eine Lösung."

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Die 22-jährige Jenny hat von dieser Geduld der Sozialarbeiter bei Don Bosco profitiert. Jahrelang schlief sie unter einer Brücke, kam zum offenen Treff, ließ sich dann aber einige Zeit nicht mehr blicken. Sie fasst ihre Stationen kurz und ohne Ausflüchte so zusammen: „Straße, falsche Freunde, Drogen, Knast. Straße und wieder in den Knast, weil die Bewährung widerrufen worden ist.“ Ein Kreislauf, aus dem Jenny jetzt ausbrechen will – mithilfe von Don Bosco.

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Der Schlüssel zum eigenen Zimmer

Alle Jugendlichen, die in den Pensionszimmern wohnen, müssen mitanpacken. Bald wird auch Jennys Name am Holzbrett stehen.
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Vor wenigen Monaten konnte der offene Treff vom Keller des Haupthauses in einen eigenen Gebäudeteil nebenan umziehen. Die Räume sind hell und frisch renoviert und es ist einfach mehr Platz. Deswegen gibt es im zweiten Stock als neues Angebot fünf Pensionszimmer, in denen obdachlose Jugendliche – vermittelt über das Sozialamt – wohnen können. Und der Schlüssel zu einem dieser Zimmer gehört jetzt Jenny.

Für sie die beste Nachricht des Tages: „Das ist für mich echt cool. Endlich habe ich etwas, wo ich hinkann. Das baut mich auf. Das ist gut für mein Leben.“

Doch bevor weitere Zukunftspläne geschmiedet werden können, wird erst einmal der Pinsel geschwungen. Gemeinsam mit ein paar anderen Jugendlichen streicht sie ihr neues Zimmer, das vom vorherigen Bewohner etwas dreckig hinterlassen wurde. Im Hintergrund läuft laute Musik und die Jugendlichen beklecksen sich ausgelassen mit Farbe. Jenny wirkt aufgekratzt und zeigt in eine Ecke: „Eine Fotowand, hier will ich eine Fotowand hinhängen. Und Lichterketten müssen hier auch unbedingt hin.“
Alle Jugendlichen, die in den Pensionszimmern wohnen, müssen mitanpacken. Bald wird auch Jennys Name am Holzbrett stehen.
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Tanja Holzmeyer freut sich mit Jenny. Solche Momente sind für sie Ansporn und Bestätigung, dass ihre Arbeit Sinn macht. „Wenn ich mit einem Jugendlichen vielleicht auch nur einen ganz kleinen Schritt gegangen bin und ein Lächeln bekomme, ist mir das Lohn genug für das, was ich Monate und Jahre mit ihm durchgemacht habe.“ Solche Momente helfen der 34-Jährigen, auch schwierige Situationen, die sie an ihre Grenzen bringen, besser zu bewältigen. Zum Glück gebe es diese allerdings nur selten, sagt sie. Als sie ein Beispiel nennen soll, muss sie eine Weile überlegen. Die sonst so aufgeweckte, fröhliche junge Frau wird immer ruhiger und beginnt nach einigem Zögern, von einem Fall zu erzählen, der ihr persönlich sehr nahegegangen ist und sie noch lange beschäftigt hat.
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Momente des Zweifels

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Es ging dabei um einen Jugendlichen, den sie etwa ein Dreivierteljahr begleitet hat. Ein Vorzeigejugendlicher für die Einrichtung. Er war nicht auffällig, hat bei allen Angeboten mitgemacht, schien „super integriert“. So kam es Tanja Holzmeyer und den anderen Mitarbeitern jedenfalls vor. Er versuchte, ihre Ratschläge umzusetzen, bemühte sich um eine eigene Wohnung und hatte sogar einen Ausbildungsplatz in Aussicht.

Umso unerwarteter traf daher Tanja Holzmeyer die Nachricht, dass genau dieser Jugendliche zwei schwere Verbrechen begangen hatte – und zwar in der Zeit, in der er regelmäßig beim offenen Treff und in Gesprächen mit ihr war. „Da habe ich kurz den Glauben verloren“, gibt Tanja Holzmeyer zu, die von sich sagt, dass sie viel einstecken kann und jeden Tag gerne zur Arbeit geht. „Aber da wurde mir schlagartig bewusst, dass dir manches einfach komplett unerschlossen bleiben kann, auch, wenn du glaubst, es läuft alles gut.“

Sie macht eine kurze Pause und fährt dann fort: „Da war eine persönliche Grenze für mich spürbar. Das nimmst du trotz professioneller Distanz über Wochen mit nach Hause. Da überlegst du automatisch, ob dir vielleicht etwas hätte auffallen müssen. Und da denkt man sich auch kurz, wieso mache ich das.“
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Tanja Holzmeyer macht ihre Arbeit aus Überzeugung, ist dabei aber nicht blauäugig und weiß, dass sie nicht allen Jugendlichen helfen kann, gerade dann, wenn sie es noch „cool und easy finden, auf der Straße zu leben. Aber irgendwann kommt der Tag, wo sie begreifen, dass es nicht so toll ist, immer etwas zu essen zu klauen und abends einen Joint rauchen zu müssen, um einschlafen zu können.“ Und dann will sie für diese Jugendlichen da sein.
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Zum Don Bosco Jugendwerk Nürnberg gehören neben dem offenen Bereich ein Jugendwohnheim mit 84 Plätzen für Auszubildende und Blockschüler, ein Kinderhort, eine Fahrrad-, Holz- und Nähwerkstatt. Außerdem sind die Sozialarbeiter zweimal pro Woche mit einem Beratungsbus an sozialen Brennpunkten in Nürnberg unterwegs.
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Don Bosco Medien GmbH
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Interviews, Texte, Audios, Videos, Produktion:
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stroth@donbosco-medien.de

Fotos:
Klaus D. Wolf

(Fotos 8, 13, 14: Nicole Stroth)
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